Schützengilde Bohnert

Von der Pferde- zur Schützengilde

Aus der Eckernförder Zeitung vom 24. September 2010

tl_files/SGB/Gallerie/Schuetzen/2010-09-24 Die Gruendungsmitglieder der Schuetzengilde.jpg

Die Gründungsmitglieder von 1960

Auf ein halbes Jahrhundert Gemeinschaft schauen die Mitglieder der Schützengilde Bohnert an diesem Wochenende zurück. Morgen ab 14 Uhr lädt die Gilde ins Festzelt und das Schützenhaus in Bohnert ein. Ein historischer Rückblick, Ehrungen, ein Schießen und ein Festkomers sind unter anderem geplant. Dass das Jubiläum nun doch gefeiert werden soll, wurde erst im August beschlossen, berichtet Bernd Rothe. Seit 1999 ist der Vorsitzender der Gilde, die nun doch das runde Jubiläum etwas feiert.

Eine bewegte Geschichte liegt hinter den Mitgliedern der Gilde. Begonnen hatte alles im November 1959. Wilhelm Kuhr, Landwirt wie die allermeisten Bürger in Bohnert, suchte nach einer Lösung, um die gute Gemeinschaft im Ort zu erhalten. Bis dahin hatte dafür die Pferdegilde Bohnert als Versicherungsverein für Pferdehalter gesorgt. Ihr gehörten sehr viele Mitglieder an, da die Tiere für die Landwirtschaft unersetzlich waren. Doch das änderte sich mit der Motorisierung, und die Mitgliederzahl sank. Beim Melken sei Kuhr dann auf die Idee zur Gründung einer Schützengilde gekommen, berichtet Rothe aus der Chronik der Gilde. Und so kamen Ende 1959 21 Bürger aus Bohnert, Kosel und Rieseby im Gasthaus bei Erna Seeger zusammen und beschlossen die Gildegründung zum 1. Januar 1960.

Geschossen wurde teils im Saal des Gasthauses Seeger und in der damaligen Sandkuhle, dort wo 1964 der Bau des Schützenheims begann. In Eigenleistung wurde bis 1968 gebaut. Unter der Regie von Waldemar Krebs packten alle Mitglieder an. Geschossen wurde damals wie auch heute noch mit dem Luftgewehr und der Pistole auf zehn Meter sowie mit dem Kleinkalibergewehr auf 50 Meter. Erst in neuerer Zeit kamen Großkaliberpistolen ab sechs Millimeter hinzu. Bis 1990 lenkte Kuhr die Geschicke der Gilde.

Ihm folgte 1990 Werner Goos. In seiner Zeit wurde das Schützenhaus für 70 000 D-Mark (ein Großteil als Förderzuschuss) renoviert, berichtet Rothe. Er übernahm den Gildevorsitz zum Jahresbeginn 1999. Rothe und seinen Gildevorstand sorgt vor allem die sinkende Mitgliederzahl. In vielen Altersklassen könnten sie keine Mannschaften mehr stellen, das sei früher nicht so gewesen, so Rothe. 1999 hätte es noch 133 aktive Schützen gegeben gegenüber heute sind es nur noch 87. Dabei trage der Schießsport zur Steigerung der Konzentration und zur Verbesserung der Atemtechnik bei.

Es sei sehr schwer für die Gilde, junge Leute für den Schießsport zu gewinnen. Das liege vermutlich auch daran, dass Jugendliche erst ab zwölf Jahren mit Auflagen schießen dürften. In dem Alter seien sie aber schon lange im Sportverein aktiv. Einen weiteren Grund sieht Rothe darin, dass die Jugend, besonders Jungen, viel lieber in der virtuellen Welt von Computerspielen schießen. Grundsätzlich negativ für jeden Schießsportverein sei jeder Missbrauch von Schusswaffen für Amokläufe.

In Rothes Vorstandszeit, die er zur Herbstversammlung aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen beenden will, fiel die umfangreiche Sanierung und Modernisierung der Schießanlage. Mit Unterstützung der Gemeinde und sehr viel Eigenleistung entstand ein moderner Schießstand, so Rothe, der allen Anforderungen des Deutschen Sportschützenbundes entspricht. Einen Eindruck können sich alle Besucher beim Schießen auf Ehrenscheiben und Preisschießen machen.

Im Anschluss an das offizielle Programm werden die jüngeren Mitglieder der Gilde für Musik und Party am Abend sorgen.




Die erste Uniform gabs für 50 Mark bei Neckermann

Aus der Eckernförder Zeitung vom 27. September 2010

50 Jahre gibt es die Schützengilde Bohnert nun schon. "Die Zeit ist wie im Fluge vergangen", sagte der Vorsitzende der Schützengilde, Bernd Rothe, am Sonnabend bei der Jubiläumsfeier der Gilde mit vielen befreundeten Schützengruppen und Ehrengästen. Unter ihnen auch Herrmann Bebensee, Christian Mau, Wilhelm Schendel und Manfred Bellmann. Sie gehörten zu den Mitgliedern der ersten Stunde und wurden von Rothe für ihre Verdienste in der Schützengilde ausgezeichnet.

Und auch der Gründer der Schützengilde Bohnert, Egon Mordhorst, ließ es sich nicht nehmen, zum 50. Geburtstag "seiner" Schützen zu kommen und in Erinnerungen zu schwelgen: Es war kurz nach dem Krieg. Die Alliierten hatten beschlossen, dass kein Deutscher jemals mehr ein Gewehr in die Hände bekommen dürfte. Aber es kam anders: "1948 kam die Währungsreform und die Alliierten merkten, dass wir Deutschen ganz nette Menschen sind", erzählte Mordhorst. Kurz darauf standen auch wieder Gewehre in den Schaufenstern und konnten käuflich erworben werden.

In Rieseby gab es einen Schützenverein, zu dem auch die Bewohner Bohnerts regelmäßig zu Schießübungen fuhren. "Wir haben uns gefragt: Warum sollen wir das nicht auch bei uns machen?", so Mordhorst. Geboren war die Idee zur Schützengilde Bohnert. Starthilfe gab es von den Schützen aus Gettorf, die den Kollegen aus Bohnert erklärten, wie sie Mitglied im Landessportverband wurden und andere Formalien regeln konnten.

Auch die erste Uniform ist Mordhorst noch gut in Erinnerung geblieben: Sie wurde für damals für 50 D-Mark bei Neckermann erworben.

Das alles ist nun 50 Jahre her. Ein halbes Jahrhundert, in dem sich viel getan hat. So feierten die Schützen im Jahr 1968 die Eröffnung ihres Schützenheims, das seitdem immer wieder erweitert wurde. Am 1. August desselben Jahres bekamen sie ihr Schild und weihten noch im selben Jahr die Fahne.

Unterstützung gab es in all den Jahren vom Kreisschützenverband. Und auch bei der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen wurde der Kreisschützenverband wieder vertreten: Dietrich Sentko, stellvertretende Vorsitzender, hob noch einmal die soziale Aufgabe der Schützen hervor und erinnerte an die Benefizveranstaltung zugunsten des Ehrenhains in Bohnert, bei der die Mitglieder der Schützengilde Geld sammelten. "Es zeichnet einen Verein aus, wenn er sich sozial engagiert", so Sentko, der Bernd Rothe die Ehrentafel des Landessportverbandes Schleswig-Holstein überreichte.

Schießen bedeutet Kameradschaft, hob auch Robert Smith, stellvertretender Präsident des Kreisschützenverbandes Rendsburg-Eckernförde hervor. "50 Jahre Schützengilde Bohnert bedeutet auch: 50 Jahre eintreten für den Schützensport", erläuterte Smith und äußerte die Hoffnung, dass das Jubiläum Auftrieb geben möge, die Jugendarbeit in der Gilde wieder aufzunehmen. Diese war in den vergangenen Jahren weitestgehend zum Erliegen gekommen, weil in Bohnert schlichtweg der Nachwuchs fehlt. "Außerdem wünsche ich eine ruhige Hand und einen klaren Kopf", sagte Smith. "Dann stellt sich auch der Erfolg ein."